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So klappt Busfahren mit dem Rollator

Mit einem Rollator ist das Busfahren gar nicht so leicht. Damit der Ein- und der Ausstieg klappen, gab es nun ein Training in Wildeshausen.
Wildeshausen – Nur ein paar Zentimeter trennen den Boden des Linienbusses bei geöffneter Tür vom Bürgersteig. Ist man mit einem Rollator unterwegs und schon ein bisschen älter, kann das aber durchaus eine schwierige Hürde sein. Wie diese souverän und ohne Kraftanstrengung gemeistert werden kann, weiß Hartmut Köhler. Der Rentner saß mehr als 40 Jahre hinterm Bus-Steuer und arbeitet nun als Mobilitätsberater beim Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen. Am Donnerstagnachmittag ist er mit ein paar Kollegen am Bahnhof in Wildeshausen, um sein Wissen weiterzugeben. Mehrere mobilitätseingeschränkte Personen nehmen an dem Training teil.
Bürgerbus beteiligt sich an der Aktion
Unter den Zuhörern ist auch Jochen Hoppe vom Bürgerbusverein, der sein Fahrzeug an diesem Tag ebenfalls zum Üben anbietet. „Teilweise kommen die Leute mit Wasserkisten“, sagt er. Die Fahrer würden zwar schon helfen, aber dann sei schnell das Einhalten des Fahrplans gefährdet. „Manchmal kommen auch fünf, sechs Personen mit Rollator“, weiß er. „Dann spielen wir Tetris im Bürgerbus.“
Aber erst einmal müssen die Menschen ja reinkommen. Am Donnerstagnachmittag versuchen einige, den ganzen Rollator anzuheben und ihn dann in den Bus zu wuchten. Köhler zeigt, wie es besser geht: direkt an die Tür ranschieben, den Fuß gegen ein Hinterrad stellen, dann nur die vorderen Reifen hochdrücken, ein Stückchen schieben, und wenn die Gehhilfe halb im Bus steht, den Rest hinterher. Als Nächstes soll der Rollator per Bremse gesichert werden, damit die Benutzer mithilfe der Griffe an den Türen ebenfalls einsteigen können.
Schritt für Schritt geht Köhler das Vorgehen mit jedem Teilnehmer durch und probiert es dann gleich praktisch. Erstaunte und zufriedene Reaktionen sind die Folge, denn offenbar geht es so wesentlich einfacher.
Drinnen im Bus stellt sich die Frage nach einer Fahrkarte. Der Mobilitätsberater rät dazu, einfach einen Mitfahrer anzusprechen. „In 99 Prozent der Fälle kümmert der sich drum. Ansonsten einfach nach dem Fahrer rufen.“
Letzter Schritt ist dann das Aussteigen. Auch dafür hat Köhler eine konkrete Vorgehensweise parat: rückwärts bis zur gelben Linie am geöffneten Ausgang gehen, Bremsen anziehen und mithilfe der Griffe in der Tür erst einmal ohne Rollator aussteigen, checken, dass kein Radfahrer von links oder rechts kommt, und dann die Bremsen lösen, um die Gehhilfe aus dem Bus zu ziehen. Wieder zufriedene Gesichter. Die Vorschläge fallen auf fruchtbaren Boden. „Immer weiter üben“, rät der Mobilitätsberater den Teilnehmern. „Nach 20 Mal kann das jeder.“
Es redet aber nicht nur Köhler. Auch die Fahrgäste kommen zu Wort. Ein häufiges Ärgernis sind offenbar Fahrer, die kein Deutsch sprechen. Sollte jemand unzufrieden sein, rät Köhler dazu, sich bei der Firma zu beschweren. „Nicht direkt beim Fahrer. Das bringt dann nichts.“
Der Rentner geht seinem Job gerne nach, vermittelt sein Wissen und die Tipps ruhig, aber mit viel Enthusiasmus. „Einmal“, so erzählt er, „hatte ich ein Ehepaar. Beide über 80. Sie würden gerne mal nach Oldenburg fahren, sagten sie, trauten sich aber nicht.“ Nach dem Training habe das Paar gleich in den nächsten Tagen in die Stadt fahren wollen – mit dem Bus. „Das macht mir einfach Freude, so etwas zu sehen“, sagt Köhler.
Artikel in der Wildeshauser Zeitung vom 23.10.2023
So klappt Busfahren mit dem Rollator: Training in Wildeshausen (kreiszeitung.de)